Gleichmäßig brummen die Motoren der kleinen Twinotter und geben den Blick frei auf die Welt tief unter uns. Das Häusergewirr des Kathmandu-Tals, kunstvoll terrassierte Berge, gesprenkelt mit rot gedeckten Bauernhöfen, später tiefe Schluchten, in denen noch der Nebel hängt, Flüsse und Bäche, die im ersten Morgenlicht glitzern. Dann ein harter Ruck und die Landung in einer völlig anderen Welt. Statt stinkendem Mega-Verkehr plötzlich klare, frische Novemberluft, statt chaotischem Lärm mit einem Mal ländliche Idylle.
Wir steigen aus, atmen tief durch und starten durch ein noch verschlafenes Lukla unser Trekking hinauf ins Herz des Himalaya. Beginnen unser Weg zum Berg der Berge, dem 8848 m hohen Mount Everest. Rauch von Kochfeuern hängt in der Luft, Yaks muhen und Pferde wiehern, Ladenbesitzer reiben sich den Schlaf aus den Augen, beginnen Rucksäcke, Souvenirs und falsche Northface-Jacken in die Auslagen zu hängen.
Während die Kinder aus den umliegenden Weilern mit einem freundlichen Namaste auf den Lippen an uns vorbei zur Schule eilen, verlassen wir den Hauptort des unteren Khumbu und gehen zunächst bergab. Vorbei an terrassierten Gerstenfeldern und Weiden, dann auf breitem Weg hinab in tiefe Schluchten. Die ersten Hängebrücken werden überquert, von Schweizern massiv gebaut und doch wackelig und schwingend hoch über den reißenden Fluten des Dhud Koshi, des Milchflusses. Ihn und sein tiefes Tal begleiten wir nun ein langes Wegstück bis Monjo, wo der Sagarmatha Nationalpark beginnt.
Nach langem Anstieg durch stille Kiefernwälder erreichen wir Namche Bazar, die Hauptstadt des Khumbu und Zentrum der Sherparegion. Wie in einem Amphitheater kleben die Häuser am Hang, ein lebhaftes Konglomerat aus Hotels, Restaurants und Bars, Ausrüstungsläden und Internetcafes und bevölkert von einem internationalen Publikum aus Backpackern, braven europäischen Wandersleuten und seriösen Hochgebirgsbergsteigern. Daneben ebenso viele Träger aus all den Völkern Nepals, zahlreiche Tibeter, die mit ihren Yakkarawanen über die Pässe kommen und vielen Sherpas aus den umliegenden Dörfern, für die der Ort das Tor zur Welt ist.
Hier in Namche, einem jener klassischen Travellerziele, vermischen sich Völker und Kulturen auf angenehme Weise und jeder versucht die Annehmlichkeiten der Welt noch einmal zu genießen, bevor es in die weniger komfortablen und anspruchsvollen Hochlagen des Khumbu hinauf geht. Deshalb ist es auch wichtig, hier in Namche auf 3440 m Höhe zwei, drei Nächte zu bleiben um sich zu akklimatisieren.